EuGH-Urteil in der Rechtssache C-440/23 erlaubt nationale Verbote für virtuelle Automatenspiele

Ines Baumann · Jun 23, 2026

EuGH-Urteil in der Rechtssache C-440/23 erlaubt nationale Verbote für virtuelle Automatenspiele

EuGH-Gebäude in Luxemburg mit Fokus auf das Gerichtsverfahren zu Glücksspielregeln

Das Gericht der Europäischen Union hat am 23. April 2026 in der Rechtssache C-440/23 ein Urteil gefällt das klarstellt wie weit Mitgliedstaaten bei der Regulierung von Online-Glücksspielen gehen dürfen und dabei verweist das Gericht auf die Zeit zwischen Juni 2019 und Juli 2021 als die allgemeine Verbotsregelung in Deutschland noch galt bevor der neue Glücksspielstaatsvertrag von 2021 in Kraft trat.

Deutschland und andere EU-Länder bleiben befugt virtuelle Slotmaschinenspiele sowie bestimmte Wettformen zu untersagen selbst wenn die Anbieter über Lizenzen aus anderen Mitgliedstaaten wie Malta verfügen und zugleich können zivilrechtliche Folgen wie die Nichtigkeit von Verträgen sowie die Rückforderung verlorener Einsätze durchgesetzt werden.

Hintergründe der Rechtssache und zeitlicher Rahmen

Die Entscheidung betrifft Aktivitäten die in den Jahren 2019 bis 2021 stattfanden als in Deutschland ein umfassendes Verbot für Online-Glücksspiele bestand und Kläger hatten Einsätze zurückgefordert die bei Anbietern getätigt worden waren die außerhalb Deutschlands lizenziert waren während die nationale Regelung solche Angebote untersagte.

Das Gericht stellte fest dass das EU-Recht den Mitgliedstaaten einen Ermessensspielraum einräumt um eigene Schutzstandards für Verbraucher festzulegen und gleichzeitig gegen illegale Märkte vorzugehen und dabei werden Ziele wie die Bekämpfung von Spielsucht sowie die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung berücksichtigt.

Kernpunkte des EuGH-Urteils

Das Urteil bestätigt dass Verbote für virtuelle Automatenspiele und ausgewählte Wettarten mit dem EU-Recht vereinbar sind und zivilrechtliche Sanktionen wie die Nichtigkeit von Spielverträgen sowie die Rückerstattung von Verlusten an Verbraucher durchgesetzt werden dürfen ohne dass dies gegen Dienstleistungsfreiheit oder andere Grundfreiheiten verstößt.

Beobachter stellen fest dass die Richter die Kompetenz der Staaten anerkennen eigene Schutzniveaus zu wählen und dies gilt auch dann wenn Betreiber in anderen Ländern der Union zugelassen sind.

Richterbank im EuGH mit Dokumenten zu Glücksspiel-Fällen

Zivilrechtliche Folgen und deren Umsetzung

In der Praxis bedeutet das Urteil dass Verbraucher in Deutschland Ansprüche auf Rückzahlung verlorener Einsätze geltend machen können wenn die Spiele unter das damalige Verbot fielen und Gerichte in den Mitgliedstaaten dürfen solche Rückforderungen unterstützen ohne gegen EU-Vorgaben zu verstoßen.

Die Entscheidung stützt sich auf den Grundsatz dass nationale Maßnahmen zum Schutz vor den Risiken des Glücksspiels verhältnismäßig bleiben und dabei die Besonderheiten des Online-Bereichs einbeziehen.

Auswirkungen auf regulierte Märkte in der EU

Experten weisen darauf hin dass das Urteil die Position von Ländern stärkt die strenge Verbote oder strenge Lizenzsysteme für Online-Spiele aufrechterhalten und Anbieter mit Lizenzen aus anderen Staaten müssen sich daher an die jeweiligen nationalen Vorgaben halten.

In Juni 2026 zeigen sich erste Auswirkungen in der Praxis denn mehrere deutsche Gerichte haben bereits Verfahren zur Rückerstattung von Einsätzen aus der betreffenden Periode wieder aufgenommen und die Klärung durch den EuGH dient dabei als maßgebliche Orientierung.

Das Urteil steht im Einklang mit früheren Entscheidungen des Gerichtshofs die den Mitgliedstaaten Spielräume bei der Glücksspielregulierung zugestehen und es unterstreicht zugleich die Bedeutung von Verbraucherschutzmaßnahmen gegenüber grenzüberschreitenden Angeboten.

Rechtliche Einordnung und zukünftige Entwicklungen

Die Pressemitteilung des Gerichtshofs zur Rechtssache C-440/23 fasst die tragenden Gründe zusammen und betont dass das EU-Recht keine einheitliche Regelung erzwingt sondern nationale Schutzstandards respektiert.

Behörden und Marktteilnehmer beobachten wie sich die Rechtsprechung auf laufende und künftige Lizenzverfahren auswirkt während Verbraucherorganisationen auf die Möglichkeit von Rückforderungen hinweisen.

Schlussfolgerung

Das Urteil in der Rechtssache C-440/23 schafft damit eine klare Rechtsgrundlage für die Durchsetzung nationaler Verbote und zivilrechtlicher Konsequenzen im Bereich der Online-Glücksspiele und es bleibt abzuwarten wie sich die Umsetzung in den Mitgliedstaaten weiterentwickelt während die Grundprinzipien des Verbraucherschutzes und der Marktregulierung im Vordergrund stehen.